AUFSTAND DER UTOPIEN!

WER?WIR! – Eine aufregende Woche liegt hinter uns. Am Wochenende vom 08. bis 10.11 haben sich die Jugendlichen des Projektes “Wir.Wie?” aus Hamburg, Zwickau und Chemnitz im Rahmen des Festivals “Aufstand der Utopien” wiedergetroffen. Dieses Mal zum großen Finale des Projektes und gleichzeitig der Premiere ihrer Stücke. Nach fast zwei Jahren intensiven Arbeitens, Austausch via Social Media, einer Bildungsreise , Workshops und viel Organisation konnten sie (zumindest für einen Moment) ihre Utopien verwirklichen.Im Projekt Wir.Wie? beschäftigen wir uns mit den unter fremdenfeindlichen Äußerungen und Einstellungen liegenden Narrativen. Der Fokus in den Inszenierungen lag darauf, in welchen Utopien sich die Jugendlichen vorstellen können, zu leben, oder was allein der Umgang mit dem Thema im Hier und Jetzt bewirken kann.

Ein Teil der Jugendlichen besuchte bereits am Donnerstag Veranstaltungen des Festivals und hat sich von der Gruppe “Ultima Vez” in den Bann ziehen lassen, die mit ihrem Stück “Invited” eine völlig andere Art des partizipativen Tanztheaters entwickelt haben. Beschwingt von den Erlebnissen des Abends starteten am Freitag dann alle Gruppen mit den gemeinsamen Proben für den Auftritt. Ein paar der Jugendlichen nahmen an einem Moderationsworkshop geleitet von Anna von Gruenewaldt (Impuls- Agentur für angewandte Utopien) am Vormittag teil, der sie auf die Anmoderation der Aufführung sowie das mit dem Publikum in Kleingruppen zu führende Nachgespräch vorbereitete. Und die anderen? Die entwarfen in kürzester Zeit kleine Szenen, die die Thematik der jeweiligen Stücke aufgriffen und diese miteinander verbanden. Es entstand ein gemeinsam erarbeitetes Stück, in dem jede/r ihre/seine Ideen einfließen lassen konnte. Am Nachmittag ging jede Gruppe in ihre persönliche Vorbereitung – bestehend aus technischer Einrichtung auf der Bühne, die einige Herausforderungen bot, textlicher Verfestigung sowie Erarbeitung einer performativen Moderation. Am Abend war es schließlich soweit, die letzte Frage zu beantworten.

Was machten die Gruppen des Projektes WIR.WIE? aus dem Thema? – drei Städte, drei verschiedene Herangehensweisen an das Thema der Utopie!

Hamburg: performativ, zeitgenössische Collage; Chemnitz: Sprache, textvoll, Dialoge; Zwickau: alltagsnahe, empathisch – verschiedene Persönlichkeiten.”

Und dennoch ergab es eine Einheit. Verbunden wurden die Stücke durch eine performative Moderation, die die Thematik der einzelnen Stücke mit einbezog und ebenfalls von den Schüler*innen selbst konzipiert und umgesetzt wurde.

Die Aufführung war ein großer Erfolg. Das Publikum war begeistert und es kam zu einem spannenden Nachgesprächsformat, welches die Jugendlichen selbst anleiteten. Die Zuschauer*innen konnten hier in kleineren Gesprächsrunden Fragen los werden und sich mit allen Beteiligten über das Projekt austauschen. Trotz der unterschiedlichen Herangehensweisen bzgl. der Umsetzung des Themas konnte mindestens ein roter Faden gesehen werden. Um einer Utopie näher zu kommen, ist es wichtig, zu handeln!

Wie stehst du zu UTOPIE? – “Utopie ist ein Traum, ein Wunsch, ein roter Faden, eine Entscheidung … machbar!”

Wie auch die Hamburger Gruppe in ihrem Stück deklariert, ist der erste Schritt zu einer utopischen Gesellschaften das Handeln. Denn auch wenn WIR in verschiedenen Städten wohnen, sind wir doch alle Teil von etwas Besonderem – wir haben uns auf das Abenteuer der Begegnung eingelassen. In den Gruppen gibt es unterschiedliche Voraussetzungen, unterschiedliche Interessen und Altersgruppen. In Hamburg haben bspw.  80% der Schüler*innen einen sichtbaren Migrationshintergrund, in Zwickau liegt der Altersdurchschnitt bei 14 Jahren und bei der Chemnitzer Gruppe sind immer wieder neue Jugendliche dazu gestoßen und andere haben aufgehört. Und dennoch sagt eine der Jugendlichen:

“Ich glaube, nur die Orte sind unterschiedlich, sonst sind wir alle gleich cool.”

WIR.WIE? – Bei einer Reflexionsrunde am Samstag wurden Ideen gesammelt, was mit diesem Projekt verändert werden kann und WIE sich jede/r einzelne verhalten kann. Es entstanden lebhafte Diskussionen in denen klar hervorging, dass die unterschiedlichen Lebenserfahrungen maßgeblich dazu beitragen, WIE man mit bestimmten Thematiken, wie bspw. Erfahrung mit rechtsextremer Gewalt, umgehen kann. Zwei Jugendliche aus Chemnitz lehnten es grundsätzlich ab mit “den Rechten” zu reden und berichteten auch von tätlichen Übergriffen. Dagegen deklarierte einer der Hamburger Jugendlichen, man müsse offen sein für eine Diskussion auf Augenhöhe. Wieder ein anderer meinte, er ignoriere ihm gegenüber geäußerte rassistische Bemerkungen. Die gehörten schon irgendwie zu seinem Alltag.

Die Begegnung der Jugendlichen öffnet einen Raum, zu diskutieren, und Perspektiven auszutauschen, zu modifizieren und anzunehmen bzw. abzulehnen.

Auch das ist Utopie!

 

Weitere Informationen zum Projekt Wir.Wie? hier


Gefördert und getragen von:

(für die Gesamtkoordination)

(für die Chemnitzer Gruppe)