Wir.Wie?

Wir.Wie?

– eine bundesländerübergreifende Jugendtheaterkooperation –

Wie können wir uns mit rechtspopulistischen Einstellungen zugrundeliegenden Erzählungen auf städtischer, überregionaler und europäischer Ebene auseinandersetzen? Genau dieser Frage nimmt sich das Projekt Wir.Wie? an.

Jugendliche aus Chemnitz, Hamburg und Zwickau nähern sich in außerschulischen Theatergruppen diesem Thema mit Mitteln des biographischen Theaters und der ästhetischen Forschung. Sie erschließen sich die Thematik also erfahrungsorientiert und durchlaufen einen Gruppenprozess, der sie empowert, für ihre Ergebnisse einzustehen. Bei gemeinsamen Probentagen und während einer Bildungsreise habe sie die Möglichkeit, themenorientiert zu arbeiten und voneinander zu lernen. Die von ihnen gemeinsam entwickelten Kernstücke werden zum Abschluss beim Festival „Aufstand der Utopien“ 2019 in Chemnitz aufgeführt.

Das Erarbeiten von authentischen Geschichten als Grundlage für einen überregionalen und sogar europäischen Austausch macht Wir.Wie? zu einem Modellprojekt für Kooperationen zwischen alten und neuen Bundesländern, Welt- und Kleinstadt, Deutschland und europäischem Ausland. Begleitet wird das Projekt von kulturpädagogischen Fachkräften und den Ansprechpartner*innen der beteiligten Institutionen, die das Projekt in drei Workshops reflektieren und auf politischer, organisatorischer und künstlerischer Ebene weiterentwickeln. Das dabei gesammelte Wissen wird in einer Handreichung zusammengefasst, die anhand von best-practice-Beispielen, lessons learned und neuen Fragestellungen Impulse für Folgeprojekte setzen wird.

Gesellschaftlich-politischer Hintergrund

Rechtspopulistische Einstellungen und Argumentationen boomen. Positionen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit gehören zum Alltag im politischen Diskurs in Sachsen und Deutschland:¹ 56 % der Befragten im Sachsen-Monitor stimmten der Aussage zu, Deutschland sei durch Ausländer*innen in gefährlichem Maß überfremdet.² Auf Bundesebene gaben 50 % der Befragten in der Mitte-Studie der Universität Leipzig an, sich durch die vielen Muslime fremd im eigenen Land zu fühlen.³ Ähnliche Positionen sind auch im europäischen Ausland weit verbreitet. Die zugehörigen Einstellungsmuster werden nicht nur öffentlich, sondern auch am Küchentisch oder am Arbeitsplatz reproduziert. Und hier wird es besonders schwierig, denn diskriminierende Äußerungen von Freunden und Angehörigen stellen uns vor persönliche Herausforderungen: Da „nehmen wir Rücksicht“, „lassen Opa reden“, „müssen das verstehen“ oder „wollen jetzt kein Fass aufmachen“.

“Ich bin viel sensibler für politische Themen, seit ich Teil des Projekts bin. Und durch Theater können Menschen auf eine ganz besondere, andere Art und Weise erreicht werden”

Teilnehmerin aus Hamburg

Mittendrin wachsen Kinder und Jugendliche auf, für die vieles normal ist, dessen Konsequenzen gegen Menschenrechte verstoßen, Gewalttaten verherrlichen oder schlicht unsere Rechtsgrundlage infrage stellen. Im Projekt Wir.Wie? beschäftigen wir uns mit den unter diesen Äußerungen und Einstellungen liegenden Narrativen – und der Frage, wie wir diese zugunsten einer im Projekt konkret gelebten und erarbeiteten Gemeinsamkeit umgestalten können. Im Zentrum stehen Erzählungen über vergangene Umbrüche und die Zukunft, das Futter aktueller Anerkennungs- und Machtkonflikte.


¹ Vgl. http://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-01/horst-seehofer-viktor-orban-csu-klausur und

   https://www.welt.de/politik/deutschland/article171678626/Oesterreich-Ungarn-ist-wieder-da.html

² https://www.staatsregierung.sachsen.de/sachsen-monitor-2017-4556.html

³ https://www.boell.de/sites/default/files/buch_mitte_studie_uni_leipzig_2016.pdf#page=51


Projektleitung

Swinda Krause

vorstand@asa-ff.de

Berichte über uns:

DOWNLOADS

Wir.Wie? – Handreichung zum Modellprojekt 2018/19

Fördermittelgeber und Träger Gesamtprojekt:

Fördermittelgeber und mit Freundlicher Unterstützung

der Gruppe Chemnitz:
der Gruppe Zwickau:
der Gruppen Hamburg:
2020-06-15T19:17:46+02:00