Würde Chemnitz’ kluger Kopf Karl Marx noch leben, er könnte sich sicher für Carsharing-Angebote und Leihrad-Stationen in sozialschwachen Quartieren begeistern und würde sich deshalb bestimmt über diese Nachricht freuen: Im Februar ist unser einjähriges Projekt MarxMobil: Nachhaltig mobil auf dem Sonnenberg erfolgreich gestartet.

Der Sonnenberg gehört zu den ärmsten Gegenden in Deutschland. Im „sozioökonomischen Städteranking“ belegt das Viertel zuverlässig den letzten Platz. Leergezogene oder abgerissene Straßenzüge, soziale Armut und dadurch entstehende Spannungen prägen den Stadtteil genau wie die steilen Hügel, über die er sich zieht. Die AnwohnerInnen – ArbeiterInnen und Arbeitslose, MigrantInnen und Geflüchtete, Studierende und Kreative – würden ihr Viertel, zumindest ihren Alltag, gern lebenswerter gestalten. Eine Sehnsucht, die bisher bereits an der Suche nach Radwegen scheitert. Das möchten wir mit MarxMobil ändern.

MarxMobil besteht aus drei miteinander verwobenen Phasen. Sogenannte MobilitätsagentInnen entwickeln kreative Interventionen im öffentlichen Raum, schaffen Irritation und damit die Möglichkeit zur Diskussion. Drei dieser Interventionen werden verteilt über einen Zeitraum von sechs Monaten stattfinden und durch zwei Formate zur Beteiligung der AnwohnerInnen ergänzt. Als Abschluss des Projekts arbeiten wir einen Stadtratsantrag aus, basierend auf den Rückmeldungen und Wünschen der AnwohnerInnen.

Wir begreifen den Sonnenberg als Real-Labor, in dem wir Alternativen zum motorisierten Individualverkehr austesten können. Wir wollen soziale Räume öffnen, in dem wir uns die geografischen neu erschließen und diese für alle leichter zugänglich machen. Wir wollen zeigen: Nachhaltige Mobilitätskonzepte können helfen, sozioökonomisch schwache Stadtteile zu beleben und sozialbenachteiligten Schichten eine neue Perspektive zu bieten. 

Soziale Unterschiede, wie Marx es anstrebte, wird MarxMobil nicht abschaffen, vielleicht aber die gesellschaftlichen Grenzen im Stadtteil aufweichen. Denn so steil die Hügel auf dem Sonnenberg sind, mit einem kostenlos ausleihbaren E-Bike und sicheren Fahrradwegen wären sie für alle AnwohnerInnen günstig und vor allem nachhaltig befahrbar.

Fördermittelgeber

Projektkoordination

Nino Micklich

nino.micklich@asa-ff.de

Weitere Informationen

MarxMobil

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