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ASA FF e.V. Projekttourismus - Wer hilft hier wem?

"Wenn Du lernen willst, bist Du willkommen. Wenn Du helfen willst, dann bleib zuhause." (Gandhi)

Am 6. Dezember 2007 veranstaltete der ASA Freundes- und Förderkreis e.V. zusammen mit dem ASA Programm (www.asa-programm.de) ein World Café zum Thema "Projekttourismus". Die Frage "Wer hilft hier wem?" stellten sich die eingeladenen Referent/innen und die ehemaligen Teilnehmer und Teilnehmerinnen des ASA Programms. Die Diskussion fand bei Lebkuchen und Kerzenschein im eigens geschaffenen World Café statt, in dem auf den Tischen gespielt, gemalt, gesammelt und gestritten werden konnte - alles bunt auf Tischdecken dokumentiert!

Sind Projektreisen nur ein Mittel zum Aufpeppen der Lebensläufe junger Nachwuchsführungskräfte in der Entwicklungszusammenarbeit, oder bringen sie auch den Organisationen in den Ländern etwas, in die die Teilnehmer/innen von Austauschprogrammen ausreisen? Was können junge Freiwillige besser als die Menschen in den Ländern des Südens? Bauen Teilnehmer/innen von Austauschprogrammen durch freiwillige Arbeit im Ausland Vorurteile ab, hinterfragen sie stärker internationale Zusammenhänge? Fördert freiwillige Arbeit im Ausland langfristiges gesellschaftliches Engagement?

Generationen von ASA Teilnehmern und Teilnehmerinnen haben sich über diese Fragen die Köpfe heiß geredet. Nun legt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im vergangenen Jahr ein sogenanntes Freiwilligenprogramm "weltwärts" (www.weltwaerts.de) auf: jährlich sollen bis zu 10.000 junge Menschen zwischen 18 und 28 Jahren für 6 - 24 Monate in Entwicklungs- und Schwellenländern arbeiten. Allein durch die Größenordnung des Programms gewinnt die Auseinandersetzung mit dem Projekttourismus erneut gesellschaftliche Relevanz. Die Vor- und Nachbereitung für die Teilnehmer/innen soll das ASA Programm gestalten. ASA verfügt in der Vorbereitung und Durchführung von Projektaufenthalten über einen hierzulande einmaligen Erfahrungsschatz und sieht die entwicklungspolitische Notwendigkeit für eine kritische Auseinandersetzung Projekttourismus. Der ASA FF e.V. lud daher als Alumni Verein des ASA Programms im Dezember alle ehemaligen Teilnehmer/innen ein, in einem World Café mit den geladenen Referent/innen zu diskutieren, was eigentlich Projekttourismus genau ist, was daran so verwerflich und was so schön?

Wieviel Tourismus und wieviel Projektarbeit stecken eigentlich in den Auslandsaufenthalten der Teilnehmer/innen des ASA Programms, des weltwärts Programms und anderer Austauschprogramme? Welchen entwicklungspolitischen Beitrag leisten derlei Austauschprogramme tatsächlich und vor allem wie sollten sie gestaltet sein, um diese Mischung aus Tourismus, Projektarbeit, Lernen, Helfen und Erleben zu einem gewinnbringenden Austausch für die Projektpartner in Entwicklungs- und Schwellenländern und die ausreisenden Teilnehmer/innen zu machen? Derlei Fragen beschäftigen das ASA Programm zurzeit ganz besonders - und wer könnte hier besser beraten als die ehemaligen Teilnehmer/innen des Programms selbst...?

Zunächst gab Laura Fuesers, die im BMZ für das weltwärts Programm zuständig ist, einen Einblick in die Konzeption des weltwärts Programms, das das Ziel hat, "Rückhalt in der deutschen Gesellschaft für Entwicklungszusammenarbeit" zu schaffen. Im Anschluss stellte Sven Mangels sein Unternehmen explore & help (http://exploreandhelp.de) vor, das in der Tourismusbranche ganz bewußt "Projekttourismus" betreibt, und unter dem Motto "Reisen-Erleben-Helfen" Spendenreisen organisiert. Abschließend kommentierte die Journalistin und Expertin für Kulturdialog, Christina Kamp (http://www.ckamp.de/), die Facetten, die freiwillige Projektmitarbeit im Ausland von jungen Erwachsenen mit sich bringen kann unter der Frage "Wer sind Projekttouristen und -touristinnen?" Sie stellte folgende Thesen auf:

  • Erfolgreiche Auslandseinsätze sind voraussetzungsreich und verursachen Kosten
  • Gastfreundschaft kostet ("Gastfreundschaft ist eine heilige Pflicht in Indien") - es muss ein Mehrwert für den ausländischen Projektpartner bleiben
  • weltwärts entlastet die deutsche Arbeitslosenstatistik

Sowohl Kamps Thesen, als auch der unternehmerische Ansatz von explore&help, und natürlich das weltwärts Programm an sich wurden anschließend in rotierenden Diskussionsgruppen im World Café von ehemaligen ASA Teilnehmer/innen heiß diskutiert. Ihr Fazit: Die entwicklungspolitische Einbahnstraße, also dass lediglich deutsche Teilnehmer/innen in Entwicklungs- und Schwellenländer reisen, um in Projekten mitzuarbeiten, von dort aber keine Austauschpartner/innen nach Deutschland kommen, ist ein überholter Ansatz. Das weltwärts Programm benötige dringend eine wechselseitige Austauschkomponente, in der junge Ausländer/innen aus Afrika, Asien, und Lateinamerika nach Deutschland kommen, auch als Bereicherung für unsere hiesige Gesellschaft. Darüber hinaus sollten Austauschprogramme mit Entwicklungs- und Schwellenländern auch einen Beitrag leisten können zur Vernetzung zwischen den Projekten in den Partnerländern, die teilweise viel mehr voneinander lernen könnten, als im Austausch mit Industrieländern.

Außerdem sollten Austauschprogramme vorab unbedingt Wirkung und Interessenlage der Projektpartner evaluieren und so eine Erwartungstransparenz aller Beteiligten schaffen. Dabei ist die Vor- und Nachbereitung solcher Austauschprogramme von großer Bedeutung für ihr Gelingen. Intensiver Dialog mit den Projektpartnern wurde hierfür als sehr zentral angesehen, nicht zuletzt um Ziele immer wieder gemeinsam und offen prüfen und auch verändern zu können.

Foto vom Workshop

Foto: Laurissa Mühlich
Mitglieder des ASA FF e.V. im World Café diskutieren "Pros und Cons von Projekttourismus?"

Foto vom Workshop

Foto: Sven Mangels
Christina Kamp gibt einen Überblick über die entwicklungspolitische Diskussion zum Thema Projekttourismus.

Foto vom Workshop

Foto: Laurissa Mühlich
Mitglieder des ASA FF e.V. im World Café im Austausch mit Laura Fuesers, Referentin des BMZ für weltwärts.

Foto vom Workshop

Foto: Laurissa Mühlich
Auf den Tischdecken des World Café sammelten, malten und sortierten die Besucher/innen ihre Beiträge.